Inklusion im Alltag leben – zu Besuch in der Kindertagespflege „Ritas Kuschelbären“
Am 3. September besuchte die Landtagsabgeordnete Sandra Gockel (CDU) die Kindertagespflege von Rita Manz in Heidenau.
So vielseitig und komplex wie das Thema selbst, waren auch die Fragen und Themen, die am Vormittag diskutiert wurden:
- Was machen die dramatisch sinkenden Kinderzahlen mit dem Existenzgefühl einer selbstständig tätigen Tagesmutter?
- Was brauchen Eltern, um sich für einen Platz in der Kindertagespflege zu entscheiden?
- Was bewirkt es, wenn die Elternbeiträge in den benachbarten Gemeinden entscheidend niedriger sind?
- Warum wirkt sich ein Freihalteplatz für ein Kind mit Behinderung steuerlich nachteilig aus?
- Und warum liebt Frau Manz ihre Tätigkeit so und gestaltet ihren Betreuungsalltag jeden Tag mit viel Herz & Engagement?
Diese und viele weitere Fragen diskutierten die Tagesmutter Rita Manz, die Ersatzkindertagespflegeperson Kerstin Schädlich, die Fachberaterin Silvia Schütze des Jugendamtes sowie Astrid Jungmichel vom Team der IKS Sachsen mit Sandra Gockel. Sehr schnell wurde deutlich, mit welchem hohen fachlichen Anspruch und persönlichem Engagement Rita Manz ihre Tätigkeit ausübt.
Bilder oben: © Richard König;
Bilder unten: © Astrid Jungmichel/IKS
Rita Manz ist neben den Qualifikationen nach dem DJI-Curriculum und dem Bildungscurriculum auch Fachkraft für Inklusion und Integration. Zu ihren pädagogischen Schwerpunkten gehören insbesondere die Förderung der Selbstständigkeit und des Selbstvertrauens, die Entwicklung sozialer Kompetenzen sowie die Förderung im musischen und kreativen Bereich. Eine selbstgekochte und gesunde Ernährung, tägliche Bewegung und ausreichend Zeit an der frischen Luft sind feste Bestandteile des Tagesablaufs.
Besonders wichtig ist Rita Manz die individuelle Begleitung jedes Kindes entsprechend seines persönlichen Entwicklungsstandes. Dabei berücksichtigt sie die unterschiedlichen Bedürfnisse und Voraussetzungen der Kinder und schafft einen Rahmen, in dem sich jedes Kind angenommen und sicher fühlen kann. Aktuell betreut sie auch ein Kind mit Eingliederungshilfebedarf und bringt damit ihre inklusionspädagogische Fachlichkeit unmittelbar in den Betreuungsalltag ein.
Eltern erhalten somit die Möglichkeit, eine Betreuungsform zu wählen, die den individuellen Bedürfnissen ihres Kindes und ihrer familiären Situation entspricht.
Gerade für Kinder mit besonderen Belastungen, beispielsweise nach einer Frühgeburt, oder für Kinder mit einem anerkannten Eingliederungshilfebedarf kann die Kindertagespflege besondere Vorteile bieten.Dies zeigt sich im Betreuungsalltag von Rita Manz ganz eindeutig, wie Silvia Schütze ganz eindringlich formuliert.
Die Betreuung durch eine feste Bezugsperson schafft Verlässlichkeit, Vertrauen und Sicherheit für das Kind und seine Eltern. Gleichzeitig bietet der kleine, reizarme Betreuungsrahmen mit wenigen wechselnden Kontaktpersonen ein überschaubares und stabiles Umfeld, das insbesondere Kinder mit besonderen Bedürfnissen unterstützen kann.
Astrid Jungmichel ergänzt, dass für Eltern eines kranken oder behinderten Kindes der Schritt in die außerhäusliche Betreuung häufig mit Sorgen und Ängsten verbunden ist. Umso wichtiger ist es, dass sie Vertrauen in die Betreuungsperson und in die Rahmenbedingungen entwickeln können. In der Kindertagespflege kann die kontinuierliche Betreuung durch eine feste Bezugsperson eine besonders gute Grundlage für eine stabilisierende Zusammenarbeit mit den Eltern und eine sichere Bindung des Kindes schaffen.
Im regen Austausch der Runde wird schnell deutlich, dass das Gelingen der ersten außerhäuslichen Betreuung von großer Bedeutung ist. Eine behutsame und verlässliche Eingewöhnung kann wesentlich dazu beitragen, dass Kinder sich sicher fühlen, positive Erfahrungen mit Betreuung und Bildung sammeln und ihre weitere Entwicklung bestmöglich unterstützt wird. Damit wird zugleich ein wichtiger Grundstein für gesellschaftliche Teilhabe und den weiteren Bildungsweg gelegt.
Frau Manz selbst ist wichtig, dass ihre qualitativ hochwertige Betreuung deshalb gelingt, weil alle Beteiligten vertrauensvoll zusammenarbeiten. Der enge und wertschätzende Austausch zwischen ihr, den Eltern, der Fachberatung und auch der Verwaltung stellt für sie eine wichtige Basis dar.
Sandra Gockel hat den Blick auf den gesamten Freistaat Sachsen und die Folgewirkungen des Geburtenrückganges. Sie weiß, wie das Kommunen und Gemeinden in Bezug auf die Bedarfsplanung ihrer Betreuungssysteme vor neue Herausforderungen stellt. Weniger Kinder bedeuten Anpassungsbedarf – sowohl in struktureller und finanzieller als auch in organisatorischer Hinsicht. Diese veränderten Rahmenbedingungen sollten jedoch nicht dazu führen, dass sich bewährte und qualitativ hochwertige Betreuungsformen zurückbilden oder geschwächt werden.
Das Team der IKS appelliert, dass gerade in Zeiten des Wandels sorgfältige und nachhaltige Entscheidungen erforderlich sind. Ziel sollte es sein, die Vielfalt der Betreuungsangebote zu erhalten und gleichzeitig deren Qualität zu sichern. Die Kindertagespflege kann dabei einen wichtigen Beitrag leisten – insbesondere für Kinder, die einen individuelleren, überschaubaren und verlässlichen Betreuungsrahmen benötigen.
Der Besuch hat gezeigt, dass engagierte und fachlich qualifizierte Kindertagespflegepersonen einen wertvollen Beitrag zur frühkindlichen Bildung, Betreuung und Teilhabe leisten. Diese Arbeit verdient Anerkennung und sollte auch bei zukünftigen Entscheidungen über die Weiterentwicklung der Betreuungslandschaft angemessen berücksichtigt werden.
Wir bedanken uns bei Rita Manz ganz herzlich, dass sie uns einen solch intensiven Einblick in ihren Alltag und ihre Sorgen zur Zukunft ermöglicht hat. Vielen Dank an die Landtagsabgeordnete Sandra Gockel, nicht nur für Ihr Interesse für die Belange der Kindertagespflege, sondern auch für ihr kritisches Mitdenken und Nachfragen. Danke auch an Kerstin Schädlich und Silvia Schütze für ihre Zeit und Mitgestalten des Austausches.