Begegnung schafft Zukunft
Keine Stadt in Sachsen hat die Kindertagespflege so intensiv aufgebaut wie Leipzig, um den Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz zu erfüllen. Heute jedoch ist von dieser Stärke nur noch ein Bruchteil geblieben. Circa 200 Tageseltern sind noch aktiv – 450 haben ihren Weg bereits aufgegeben. Hinter diesen Zahlen stehen persönliche Geschichten von Trauer und Enttäuschung, von Erschöpfung, von fehlender Unterstützung, aber auch von ungebrochenem Engagement.
Denn Aufgeben ist für viele keine Option. Es gibt Kinder, die diese Betreuung benötigen. Es gibt Eltern, die diese Betreuung wünschen. Aus dieser Haltung heraus hat sich der Leipziger Tageselternverein gegründet – getragen von Kindertagespflegepersonen, die nicht bereit sind, die Kindertagespflege in die Unsichtbarkeit gleiten zu lassen. Mit Kreativität, Herz und Gemeinschaftssinn kämpfen sie für ihre Sache.
„Wir geben in diesem Jahr unglaublich viel Kraft in die Aktionswoche“, sagt die Vorsitzende Madeleine Hoffmann. Und man spürt, dass es mehr ist als ein organisatorischer Kraftakt. Es ist ein emotionales Investment. Gelbe Blumen wurden gepflanzt, Fenster liebevoll gestaltet, es wurde gebacken, gebastelt, eingeladen. Alles mit einem Ziel: gesehen zu werden. Gehört zu werden. Die eigene Arbeit – oft still, oft unterschätzt – in den Mittelpunkt zu rücken.
Ein Programmpunkt in dieser vollen Woche ist ein Treffen von Kindertagespflegepersonen im Parkgelände des Rodelhangs an der Fritz-Gietzelt-Schule. Mitten in dieses lebendige Treffen im Park kommt heute ein politischer Beobachter: Gerald Eisenblätter - Mitglied des Sächsischen Landtages (SPD) sowie Simone Kühnert - Projektleiterin der IKS.

Gerald Eisenblätter bleibt nicht distanziert. Seine Worte sind persönlich und anerkennend. Er kennt die Kindertagespflege aus eigener Erfahrung. Seine Kinder sind dort betreut worden – und er erinnert sich gerne an diese Zeit.
Er fragt nach. Nach den Lücken im System, nach dem, was fehlt, damit dieses Modell weiterhin einen Platz in der Betreuungslandschaft in Sachsen hat. Als Netzwerker sucht er Verbindungen, will Stimmen bündeln und weitertragen. Die Tageseltern sollen nicht nur sichtbar sein – sie sollen sich in der Stadt einbringen können.
Währenddessen entfaltet sich das eigentliche Leben um sie herum. Eine junge schwangere Frau schlendert durch den Park, wird angesprochen, bleibt stehen. Aus einem flüchtigen Moment wird ein intensives Gespräch. Fragen entstehen, Antworten werden geteilt. Ein erster Kontakt, vielleicht der Beginn eines neuen Vertrauensverhältnisses. Die Kinder sitzen derweil auf Decken im Gras. Sie picknicken, lachen, genießen ihr Vesper. Für sie ist dieser Tag unbeschwert. Für ihre Eltern ist er zugleich ein Versprechen: Hier sind ihre Kinder gut aufgehoben. Hier zählt nicht nur Betreuung, sondern Beziehung.
Am Ende dieses Tages bleibt mehr als ein politischer Besuch. Es bleibt das Bild einer wertvollen Betreuung, die trotz aller Herausforderungen nicht leise wird.