Einblick in die Praxis
Die Kindertagespflege „lauterSternle“ von Dorit und Daniel Wangemann in Lauter-Bernsbach öffnet regelmäßig ihre Türen für Fachbesuche. Dabei zeigt sich schnell: Sowohl die Tagespflegepersonen als auch die betreuten Kinder begegnen Gästen mit Offenheit und Selbstverständlichkeit. Diese authentische Alltagssituation ermöglicht wertvolle Einblicke in eine gelebte, qualitativ hochwertige frühkindliche Bildung.
Bereits nach kurzer Zeit wird deutlich, wie sicher und zugewandt sich die Kinder in ihrer Umgebung bewegen. Sie nehmen Kontakt auf, bleiben in ihrem Spiel vertieft und lassen gleichzeitig Raum für Beobachtung und Austausch. Besonders eindrucksvoll ist die anregende Wirkung des vielfältigen Spielmaterials: Es motiviert nicht nur die Kinder, sondern auch Erwachsene, sich aktiv und kreativ einzubringen. So entsteht eine Atmosphäre, die Fachgespräche auf Augenhöhe und praxisnah ermöglicht.

Ein zentrales Merkmal des Konzeptes ist die bewusste Organisation in zwei eigenständigen Kindertagespflegestellen. Entgegen häufiger Annahmen handelt es sich nicht um eine Großtagespflege. Jeder Bereich hat eine eigene Küchenzeile und separate Toiletten. Die klare Struktur, die individuelle Betreuung und das stabile Bindungsangebot werden durch das ruhige konzentrierte Verhalten der Kinder eindrücklich bestätigt.
Gleichzeitig ergänzen sich beide Betreuungssettings inhaltlich und organisatorisch. Dieses Modell kann insbesondere für Kommunen im ländlichen Raum eine zukunftsweisende Perspektive darstellen. Angesichts rückläufiger Kinderzahlen bietet es die Möglichkeit, ein hochwertiges und zugleich flexibles Bildungs- und Betreuungsangebot für Kinder im Alter von 0 bis 6 Jahren aufrechtzuerhalten.
Im Rahmen eines Fachbesuches sprachen Vertreterinnen des Landesjugendamtes, des Kultusministeriums mit der Fachbereichsleiterin für Kita und Jugend und der Fachberaterin des Landratsamtes Erzgebirge, den Tageseltern und der Projektleiterin der Fachstelle für Kindertagespflege (IKS) u. a. über zentrale Aspekte dieses Ansatzes. Im Fokus standen dabei die konzeptionelle Ausgestaltung, die altersdifferenzierte Bildungsarbeit sowie die Umsetzung des Sächsischen Bildungsplans. Dorit und Daniel Wangemann gewährten dabei differenzierte Einblicke in ihre tägliche Praxis und beantworteten Fragen fundiert und praxisnah.
Ein wesentlicher Bestandteil der pädagogischen Arbeit ist das naturnahe Konzept. Die Betreuung wird durch den Kontakt zu Tieren wie Hasen, Hühnern und einem Familienhund ergänzt. Die Kinder erhalten dadurch vielfältige Lerngelegenheiten, insbesondere im Bereich Verantwortungsübernahme, Fürsorge und Naturerfahrung. Unterstützt wird dies durch eine ausgewogene, täglich durch die Großmutter frisch zubereitete Ernährung mit hohem Anteil an Gemüse und Kräutern.
Dorit Wangemann arbeitet seit 2005 als Tagesmutter. Sie schafft mit ihrer pädagogischen Haltung eine ruhige, strukturierte und zugleich anregende Umgebung für die jüngsten Kinder. Ihr Fokus liegt auf Wohlbefinden, Geborgenheit sowie der Förderung von Bewegung und Sinneserfahrungen. Ein besonderer Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die Musik: Gemeinsames Singen und Musizieren unterstützen nachweislich die kognitive Entwicklung, stärken Kreativität und Gedächtnisleistung sowie die emotionale Regulation. Zudem tragen musikalische Aktivitäten zum Stressabbau bei und fördern das soziale Miteinander.
Daniel Wangemann arbeitet seit 2014 als Tagesvater. Er hat sich auf die Betreuung von Kindern im Alter von drei bis sechs Jahren spezialisiert. Seine Arbeit zeigt eindrucksvoll, dass auch diese Altersgruppe in der Kindertagespflege professionell, individuell und bildungsorientiert begleitet werden kann. Durch alltagsintegrierte Bildungsangebote gelingt es ihm, Kinder gezielt und zugleich spielerisch auf die Schule vorzubereiten. Exploratives Lernen, eigenständiges Forschen sowie soziale Aushandlungsprozesse stehen dabei im Mittelpunkt.
Fachliche Einordnung und Perspektiven
Die Arbeit der Kindertagespflege „lauterSternle“ zeichnet sich insgesamt durch eine konsequent kindzentrierte, beziehungsorientierte und kommunikative Alltagsgestaltung aus. Zentrale Elemente sind gelebte Familiennähe, das freie Spiel als Hauptlernform, der Erfahrungsraum Natur sowie der individuelle Blick auf jedes einzelne Kind.
Das Konzept der individuell organisierten Kindertagespflege hat sich in der Praxis bewährt. Es ermöglicht eine kontinuierliche Betreuung von unter dreijährigen Kindern bis hin zum Schuleintritt und stärkt damit das Wunsch- und Wahlrecht von Familien. In der Region ist dieses Angebot anerkannt und stark nachgefragt.
Vor dem Hintergrund sinkender Geburtenzahlen – insbesondere im ländlichen Raum – gewinnt die Kindertagespflege an Bedeutung. Sie bietet flexible, bedarfsgerechte und qualitativ hochwertige Betreuungsformen, die auf individuelle Bedürfnisse eingehen können. Perspektivisch stellt sie eine wichtige Ergänzung und Bereicherung für die wohnortnahe frühkindliche Bildung und Betreuung dar.